Teil 1

15 Uhr Ankunft in Frankfurt/Hahn, jetzt nur noch die Aufregung und die Vorfreude auf ein gesundes Maß reduzieren und halten. Noch 2 Stunden bis zum Check-In. "Ich hätte gern ein Hefeweizen!", wahrscheinlich mein letztes für die nächsten 3 Wochen. Habe ich mir das wirklich gut überlegt, eine Süd-Nord-Querung von Island und das zu Fuß? Genüßlich spüle ich die ersten Zweifel mit einem Schluck aus dem kalten Glas hinunter. Die in rosaroter Folie eingewickelten 20kg Rucksäcke von mir und meinem Begleiter (ein langjähriger Freund) drängen sich auf dem Gepäckwagen, unentschlossen ob genervt oder erleichtert, schau ich von ihnen auf zur Uhr. Noch 45 Minuten bis zum betreten der Maschine.
Der Pilot begrüßt uns an Bord, ich grüße gedanklich zurück während ich versuche den Mechanismus der Gurtschnalle zu entschlüsseln. Die Handgepäckabteile über unseren Köpfen werden von einer lächelten isländischen Flugbegleiterin geräuschvoll verschlossen. Die Turbinen werden gestartet. Notausgänge hier und da, wie interessant. Start, wir heben ab, die Vorfreude knackt die 100% Marke, jetzt ist es endgültig.

Planmäßig um 23 Uhr 55 (Ortszeit) setzen die Räder des Flugzeugs in Keflavík auf. 'Von hier an Urlaub', schießt mir freudig durch den Kopf. Der Flughafen wirkt angenehm aus Holz, Stein und Glas. In Reih und Glied am Gepäcklaufband aufgereiht betrachten wir etwas gelangweilt die Gummilammelen durch die sich gleich unsere rosaroten Gepäckstücke schieben würden. Sie wirken wie zwei Rinderhälften in einem Schlachthaus auf dem Förderband.
Ein Kaffee soll nun die müden Geister zur Kreativität wecken. Wie soll’s nun weiter gehen, was ist der nächste Schritt? Langsam wird klar das wir die Vorbereitung nicht so gründlich ernst genommen haben wie gedacht.
Broschüren fächern sich über den kleinen Tisch mit zwei leeren Plastikkaffeebechern. Erstmal Reykjavík dann Zeltplatz. Leichter Sprühregen und böiger Wind sind die Begleiter vom Ausgang bis zum Shuttlebus. 4 Uhr, das Zelt steht und wir liegen im Schlafsack. Noch schnell eine SMS nach Hause getippt und schlafen, schön das es draußen hell ist.

Das Handy zeigt 11 Uhr. Verschlafen neugierig blick ich zum bewölkten Himmel und über den leicht belebten Zeltplatz. Mit Kulturbeutel und Handtuch bewaffnet schlendere ich zu den sanitären Einrichtungen. Während des Zähneputzens kämpfe ich immer noch mit dem überraschenden schwefligen Geruch des Wassers. Noch schnell um eine Nacht verlängern und zügig zum Frühstück zu Subways.
Der Plan für die kommenden Tage steht und Teile von diesem hatten wir auch schon erledigt. Wie der spärliche Einkauf für die nächsten 5 Tage inkl. Gaskartuschen für unsere Kocher, die Abgabe unserer kleinen Rucksäcke (bestückt mit den Dingen für die Rückreise) am BSI (Busbahnhof von Reykjavík) und den Erwerb der Busfahrpläne sowie deren Studium. 
20 Uhr 30, entspannt auf einem Stück Trockenfisch kauend warten wir auf die Spaghetti die sich noch steif im kochenden Wasser hin und her bewegen. Der Anblick dessen und der Geschmack des Trockenfisches veranlassen uns zu einem vorzeitigen amüsanten Resümee der 3 Wochen in Island.

Das Handy vibriert und trötet hektisch in der kleinen Tasche vom Innenzelt. 5 Uhr 30, in 3 Stunden fährt unser Bus nach Vík. Aufstehen, Zeltabbau, Rucksack packen und noch einen Besuch dem ungewohnt riechenden Wasser abstatten um dann halb quer durch Reykjavík zum Bus zu hetzen. Rechtzeitig schlagen wir am BSI auf und kaufen uns zwei Tickets. "Wir haben noch 30 Minuten." "Frühstück?" "Frühstück!"