Teil 3

Wieder 8.00 Uhr, viel zu früh wie mir Gliedmaßen und Rumpf mitteilen, ich dreh mich auf den Rücken und starre die Zeltwand an, kein wackeln, kein Wind. Ich krabble aus dem Zelt. Der Nebel sitzt locker im Tal und ich eher verkrampft auf der Bank, neben der wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten. Lecker Trockenbrot und Früchtetee zum Frühstück und als Morgensport Ausrüstungspflege. „Die Schuhe sehen aus …!“ Pflege, das sollte auch uns gegönnt sein, denn die letzte Dusche liegt schon einige Monde zurück. Standardmäßig bewaffnet ging es zu den Duschen. Sekunden später verflog die Freude, wie der Nebel aus dem Tal, und Ernüchterung machte sich breit, da der hygienische Zustand der Duschen unseren körperlichen weit unterbot. 
Nach dem Blick auf unseren Verpflegungsvorrat und dem nicht vorhandenen Angebot an Lebensmitteln am Campingplatz, folgte der Blick in den Busfahrplan und unserer Karte. Unsere erste Anlaufstelle für neuen Proviant war Húsaladur, doch vergebens. Wir entscheiden uns von ihr an mit dem Bus nach Hella zu fahren da dort die Chancen auf einen Lebensmittelladen weitaus höher standen als hier. Während unseren zweistündigen Aufenthalts in Húsaladur kredenzte uns ein Hot Dog und ein Kaffee. Hier gibt es zwar keine Lebensmittel aber immerhin Ansichtskarten also nutzten wir die Gelegenheit um unseren Verwanden und Bekannten das bisher erlebte zu übermitteln.
Nach der Busfahrt, querfeldein über Flüsse, durch Flüsse und verstaubte Wege, steigen wir aus dem Bus aus und stehen direkt vor einem Supermarkt. Der Einkauf ist schnell getätigt und wir suchen uns ein Platz fürs Abendbrot gleich hinter dem Supermarkt. Endlich gesättigt laufen wir über die Straße um dann den Feldweg zu einem Gehöft zu folgen. Dort prangert ein großes Schild mit dem Schriftzug Hotel / Camping. Es ist kurz vor neun Uhr, der Tag war zwar nicht weiter anstrengend aber wir sind trotzdem Müde und liegen schon in unseren Schlafsäcken und sprechen noch kurz über den morgigen Tag.

6.30 Uhr, das Handy schrillt in der Zelttasche munter drauf los. Ich war schon vorher wach. Nach dem Waschen bauen wir unser Zelt ab und packen unsere Rücksäcke marschbereit. Am Zeltplatz bieten sie Frühstück an und um unseren Vorrat zu schonen nehmen wir das Angebot an. Oder ist es der verlockende Gedanke an einem Tisch im warmen und trockenem zu Frühstücken? Noch sind wir die ersten am Frühstücksbuffet und können uns in aller Ruhe unser Frühstück zusammenstellen. Als wir uns gerade mit den beladenen Tellern an den Tisch setzen drängt sich schon eine Horde französischer Pensionisten in den Frühstücksraum und heben in sekundenschnelle den Lautstärkepegel in dem Raum.  
Hektisch auf einem Kaugummi kauend lenkt der Busfahrer uns ruhig auf den schmalen Weg durch die anthrazitfarbene Landschaft. Wir halten, Raucherpause, in einer unwirklich scheinenden Welt mit Blick auf den Hekla, das Tor zur Hölle, ein noch aktiver aber begehbarer Vulkan. Um uns herum nur schwarzgrauer Sand, Staub und Fels kein Gras, kein grün, kein Wasser. Die Fahrt geht weiter und ich nicke kurz ein während der Bus sich weiter gen Landmannalauga schunkelt.